Klimagerechtigkeit – inklusiv und erfahrbar

Im Rahmen unseres inklusiveren Projekts „Wetter X-Treme“, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV), wurde in diesem Jahr die Station „Klimagerechtigkeit“ erstmals auch in einem inklusiven Setting umgesetzt. Die Konzeption erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Paula, die ihre Abschlussarbeit am Lehrstuhl für Pädagogik bei Geistige Behinderung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg genau zu diesem Thema schrieb. Anschließend ging es an die Heilpädagogische Tagesstätte St. Martin, ein Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Ziel war es, Klimagerechtigkeit handlungsorientiert, flexibel und mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Der Programmtag begann mit einer Einführung zu Wetter und Klima und der Frage: Hat sich unser Klima verändert? Zu Edvard Griegs „Morgenstimmung“ gestalteten die Teilnehmenden ein gemeinsames Bild – ruhig, entspannt und voller Farbtöne des Wetters. Anschließend wechselte die Stimmung: Zu Rimski-Korsakows „Hummelflug“ wurde spürbar, wie sich das Klima durch den menschengemachten Klimawandel verändert hat – schneller, unruhiger, wilder.

In einem Gespräch erarbeiteten die Jugendlichen, welche Faktoren das Klima beeinflussen: Verkehr, Industrie, Ernährung – alles Dinge, die Schadstoffe in die Luft bringen und das Klima verändern.

Was heißt es aber nun konkret, wenn sich das Klima durch den menschengemachten Klimawandel so schnell und chaotisch verändert?

Mit einem fühlbaren Klimadiagramm konnten die Teilnehmenden die Zunahme von Hitzetagen in Deutschland erleben: Heizdecken und Kühlpads machten Hitze und Kälte spürbar, eine Drahtlinie mit Glocke machte die Temperaturentwicklung hör- und tastbar. Dank gilt hier unserer Kollegin Janina, die das Modell für uns gebaut hat, so wurde der Erwärmungstrend direkt erfahrbar.

Doch Klimawandel wirkt weltweit unterschiedlich: Auf einer großen Weltkarte erkundete die Gruppe Länder wie Deutschland, Syrien und Brasilien. Besonders spannend waren die Geschichten von Amina aus Madagaskar und Ben aus Deutschland, die mithilfe von Handpuppen, Bildkarten und Länderpuzzle-Elementen Klimagerechtigkeit konkret erfahrbar machten. Die Materialien ermöglichten verschiedene Formen der Kommunikation – verbal, über Talker, durch Zeigen oder Gestik. So konnten auch Teilnehmende, die sich nicht sprachlich ausdrücken, aktiv mitmachen und ihre Perspektiven einbringen.

Die beiden Figuren erzählten aus ihrem Alltag und die Jugendlichen ordneten symbolische Plättchen den Ländern zu, um Bevölkerungszahlen, CO₂-Emissionen, Bruttonationaleinkommen und Extremwetter sichtbar zu machen. Dabei wurde deutlich, wer mehr oder weniger zum menschengemachten Klimawandel beigetragen hat, welche Länder besonders betroffen sind und wo finanzielle Mittel für Schutz, Anpassung und Wiederaufbau vorhanden sind. Mithilfe von Reflexionsfragen wurde immer wieder über den Aspekt der Gerechtigkeit diskutiert: Beim der Zuordnung des Einkommens diskutierten die Jugendlichen: Ist es gerecht, dass Menschen in Deutschland mehr haben als in Madagaskar? Eine Stimme meinte: „Wir sind alle Menschen. Wir sind alle gleich.“

Anschließend machten die Teilnehmenden das Ganze praktisch erfahrbar: In einem Experiment goss die Gruppe Wasser über ein komplexer konstruiertes und stabileres Modellhaus und ein einfacheres, instabileres Modellhaus, welches instabiler war. So wurde deutlich: Ungleiche Ressourcen führen zu unterschiedlichen Schutzmöglichkeiten vor Extremwetter und Länder, die wenig zum Klimawandel beigetragen haben, sind oft am stärksten betroffen.

Zum Abschluss sah die Gruppe ein kurzes Video über die Klimagesichter – ein Projekt, das Menschen weltweit zeigt, die vom Klimawandel betroffen sind und Lösungen für mehr Klimagerechtigkeit entwickeln. Gemeinsam überlegten die Jugendlichen, wie Klimagerechtigkeit besser erreicht werden kann. Sie entwickelten eigene Ideen und erkannten: „Es ist besser, weniger Schadstoffe zu erzeugen.“

Fazit: Nach über zwei Stunden intensiver Arbeit endete die Einheit mit vielen neuen Eindrücken und spürbarer Motivation. Das Thema Klimagerechtigkeit lässt sich auch mit heterogenen Gruppen eindrucksvoll und sinnlich erfahrbar machen, wenn es Zeit, Raum und kreative Methoden gibt.